Der besondere Film:

ORG

It 1967-1978, 177 Min., OmU, DCP, FSK: k. A., Regie+Buch: FERNANDO BIRRI
nach einem Kurzroman von Thomas Mann, Kamera: Mario Masini, Ugo Piccone, Mario Vulpiani, Houston Simmons, Cesare Ferzi.
Mit: Terence Hill, Lidija Juraçik, Isaak Twen Obu, Nolika Pereda, Pietro Santalamazza) und Francesco Di Giacomo

DO 11.5. FR 12.5. SA 13.5. SO 14.5. MO 15.5. DI 16.5. MI 17.5.
-- -- 19.30 -- -- -- --

Selten wurde das Medium Experimentalfilm so konsequent ausgereizt wie bei Fernando Birris „ORG“. Mehr als zehn Jahre arbeitete der Regisseur an dem Werk, einer Adaption von Thomas Manns Kurzroman „Die vertauschten Köpfe“. Teils finanziert vom Hauptdarsteller Mario Girotti (alias Terence Hill), ermöglicht „ORG“ einen kaleidoskopartigen Einblick in die experimentellen, ästhetischen und politischen Strömungen der 1960/70er-Jahre.

Eine stringente Handlung nach gängigen dramaturgischen Kinomustern nachzuerzählen, ist unmöglich, weil der Film zwar eine Buch-Adaption ist, sich in der Form aber jeglichen Konventionen entzieht. Thomas Mann hatte sich für seine Geschichte von einer indischen Legende inspirieren lassen, einer ménage à trois zwischen zwei Jungs und einem Mädchen, die er zum ironischen Kommentar auf den Rassenwahn im Dritten Reich umschrieb. Bei Birri wird daraus ein irrer Flickenteppich aus Bildern und Geräuschen, eine Hommage an das einzige Stilmittel, welches das Kino anderen Künsten voraus hat: den Filmschnitt („ORG“ besteht aus über 26 000 Schnitten und knapp 700 Tonspuren!). Neben Momenten, in denen das Bild einfach schwarz ist, sieht man mal schneller, mal langsamer eine auf den ersten Blick wirre, aber durchaus komponierte Bildabfolge. - Die Story spielt in der Zukunft nach der Explosion eines großen Atompilzes. Die Hauptfiguren heißen der Schwarze Grrr und sein weißer Freund Zohommm, die sich um das Mädchen Shuick streiten und Zorn und Eifersucht auf einer intergalaktischen Reise erleben, unter anderem in einer Ruine, die als Kybernetische Sybille bezeichnet wird.

Nach seiner Weltpremiere 1979 bei den Filmfestspielen in Venedig, wo er als radikales Experiment gefeiert wie beschimpft wurde, versinkt der Film in der Obskurität. Erst jetzt wieder, nachdem er im Rahmen des Projekts „Living Archive“ über Jahre aufwendig digitalisiert wurde, lief „ORG“ als Wiederaufführung auf der diesjährigen Berlinale 2017. (nach: perlentaucher.de, Thomas Groh, David Steinitz, SZ)

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