Der Nobelpreisträger

El Ciudadano ilustre. Arg 2016, 118 Min., OmU, DCP, FSK: o.A. Regie+Kamera: MARIANO COHN u. GASTÓN DUPRAT, Buch: Andrés Duprat, Musik: Toni M. Mir,
Mit: Oscar Martínez, Andrea Frigerio, Nora Navas, Manuel Vicente u.a.

DO 1.3. FR 2.3. SA 3.3. SO 4.3. MO 5.3. DI 6.3. MI 7.3.
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„DER NOBELPREISTRÄGER“ erzählt davon, wie sich Genialität und Ruhm tatsächlich anfühlen. Ein Film über einen arrivierten Literaten, der in Schweden die höchste Auszeichnung entgegennimmt. In seiner Rede anlässlich der Übergabe umreißt er mit grimmigem Spott das Dilemma. Natürlich sei er geschmeichelt wegen dieser Ehre. Aber nun, da sein Werk von Königen, Professoren und Kritikern als kanonisiert anerkannt wurde – was bleibt ihm da noch? An was soll er sich nun abarbeiten?

Diese Frage beantwortet der Film mit Grandezza. Die beiden Koregisseure Gastón Duprat und Mariano Cohn erzählen ihre Geschichte rückwärts. Mit wenigen Pinselstrichen umreißen sie, wie der überdrüssige Autor, der seit fünf Jahren nichts mehr zu Papier brachte, sich davor ekelt, dass Akademien in aller Welt ihn speichelleckend hofieren. Allein die schräge Einladung seines argentinischen Heimatdorfes, das ihn zum Ehrenbürger ernennen will, nimmt er zögernd an. Mantovani weiß nur zu gut, warum er seit 40 Jahren nicht mehr dort war. Sein gesamtes literarisches Kapital basiert auf der fiktionalen Verwertung der schrulligen Menschen dieses Provinznests.

Da die Einwohner von Salas sich alle in Mantovanis Büchern wiedererkennen, fühlen sie sich im Recht, wenn sie ihn erpressen und gewissermaßen ihr Copyright an seiner Berühmtheit einfordern. Die Kluft zwischen dem ausgebrannten Schreiber und seinen »eigenen« Figuren, die ihm leibhaftig gegenübertreten, scheint unüberwindbar. Der unverheiratete und kinderlose Mantovani ist eigentlich aber einsam und gebrochen. Er sehnt sich danach, eine von jenen Figuren zu sein, die er so lebendig und liebevoll beschreibt. Doch sein distanzierter literarischer Blick trennt den Schriftsteller von allem, was er liebt. Den beiden Koregisseuren gelingt ein typisch lateinamerikanischer Film, der seine Magie mit langem erzählerischen Atem entwickelt, dabei auf gefinkelte Art »meta« ist, aber ohne postmoderne Gedankenakrobatik auskommt. Ein kleines Juwel.(nach: epd, Manfred Riepe, 2017)

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