Glücklich wie Lazzaro

Lazzaro felice. I/F/CH/D 2018, 125 Min., OmU+dF*, DCP, FSK: ab 0, Regie+Buch: Alice Rohrwacher - Kamera: Hélène Louvart, Musik: Piero Crucitti
Mit: Adriano Tardiolo, Luca Chikovani, Alba Rohrwacher, Nicoletta Braschi, Sergi López

DO 18.10. FR 19.10. SA 20.10. SO 21.10. MO 22.10. DI 23.10. MI 24.10.
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Inviolata, ein abgeschiedenes Landgut im italienischen Nirgendwo: Lazzaro ist Knecht auf dem Hof und eine Art Mädchen für alles. Egal ob die Großmutter ins Haus getragen werden soll, Hühner eingefangen oder Kisten geschleppt werden müssen, stets wird Lazzaro gerufen. Der junge Mann ist so gutmütig, duldsam und unschuldig, dass man ihn für einfältig halten könnte. So wie er von den anderen Mitgliedern seiner Sippe ausgenutzt wird, was er als ganz normal empfindet, so wird auch die Sippe als Ganzes ausgebeutet.

In einer Zeit, in der die Sklaverei schon längst abgeschafft wurde, glauben sie immer noch, dass sie noch zur Zeit der Leibeigenschaft leben und ihrer Gräfin, Marquesa Alfonsina de Luna, gehören. Als dieser Betrug aufgedeckt wird, findet sich die Sippe auf einmal in der Moderne wieder.

Unterdessen lernt Lazzaro Tancredi kennen, den Sohn der Marquesa, der an seiner Mutter so sehr leidet wie am Landleben. Zwischen den beiden gegensätzlichen jungen Männern entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die Lazzaros kleine Welt von Grund auf verändert.

Meisterhaft lässt die preisgekrönte Regisseurin Alice Rohrwacher mit  ihrer poetisch-sozialkritischen Fabel das neorealistische italienische Kino auferstehen. Versehen mit magischem Realismus und auf dem Hintergrund christlicher Mythologie führt ihre Hauptfigur, der junge Lazzaro, den Zuschauer voller Urvertrauen durch alte feudale und neue globale Ausbeutung der neoliberal entfesselten Industriegesellschaft samt seinem Casino-Kapitalismus. Es geht um Migration und Verstädterung sowie den Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft, in der sich zwar viel geändert hat, eins aber gleich geblieben ist: Die Ausbeutung der schwächsten Glieder der Gesellschaft.

Es ist tatsächlich eine wahre Episode, die Rohrwacher zu ihrem Film inspirierte, die Geschichte einer Gräfin, die auch nach der endgültigen Abschaffung der Leibeigenschaft in Italien 1982 (!) einfach weitermachte als wäre nichts geschehen. (nach: filmstarts, programmkino.de)

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