GUNDERMANN

D 2018, 128 Min., DCP, FSK: ab 0
Regie: andreas dresen Buch: Laila Stieler, Kamera: Andreas Höfer, Musik: Jens Quandt
Mit: Alexander Scheer, Anna Unterberger, Benjamin Kramme, Eva Weißenborn u.a.

 

 

DO 1.11. FR 2.11. SA 3.11. SO 4.11. MO 5.11. DI 6.11. MI 7.11.
17:00 19:00 21:30 15:00 -- -- --

Doch. Sie ziehen sich als fester Faden durch den ganzen Film, die Stasi-Spitzel-Episoden. Es geht gleich damit los. Der Liedermacher und Baggerfahrer Gerhard Gundermann besucht 1992 einen Puppenspieler, bei dem eine dicke Akte auf dem Flügel liegt, sorgfältig durchgearbeitet. Gundermann gibt umständlich zu, ja, er sei „Grigori“ gewesen, habe wegen der vielen Leute mit Beißzwang bisher nicht geredet. Aber die Akte könne man ja gemeinsam durchgehen und die Dinge klären. Klären?, ruft grimmig der Puppenspieler, was denn klären?! – Na ja, erwidert Gundermann, er wisse nicht, was drinsteht: „Kann sein, ich hab Scheiße gequatscht, ja. Aber was, das weeß ich eben nicht mehr.“ So öffnet der Film seinen Spannungsbogen. Aber der Reihe nach. 20 Jahre nach seinem Tod weiß nicht mehr jeder, wer das eigentlich war, Gundermann (1955–1998). Warum erinnern wir uns mit so viel Liebe und Leidenschaft an ihn? Weil seine Lieder von einem Land handeln, das so schnell unterging, dass das tiefe Verlustspuren hinterließ. Zumal in einer Gegend, der bald die Arbeit ausging. Seine Lieder lassen einem bis heute die Tränen in die Augen schießen, wenn sie unvermittelt wieder auftauchen, wie in dem Film. 

Balladen von erschütternder Innigkeit und Poesie, die von der Endlichkeit des Lebens erzählen, von Gras, das immer wieder wächst, von harten Händen und von Schutzengeln, die nichts mehr zu tun haben, seit ihnen die Bergleute ausgehen. Selbst einer leeren Kohlegrube schrieb Gundermann ein Liebeslied: „Brigitta“. Manche Textzeilen waren so populär, dass man sie bei Beerdigungen spielte („Einmal“) oder auf Geburtsanzeigen druckte: „Du bist in mein Herz gefall’n wie in ein verlassenes Haus“. 

Das ist großes Kino, wie Dresen den Zuschauer mitnimmt in Gundermanns Welt, in die Enge seiner winzigen Küche und die endlosen Weiten der Kohlelandschaft. In die Baggerkanzel, in der seine alte Lehrmeisterin Helga (herrlich: Eva Weißenborn) so abschätzig schweigen kann, wenn Gundermann wieder nach der Seele des Baggers fahndet. Oder zu den Arbeitern im Regen, die steif zugucken, was ihr Künstler-Kumpel da Sonderbares auf der Bühne treibt. Beklommen glaubt man mit am Tisch zu sitzen, wenn die Partei das Mitgliedsbuch zurückverlangt: „Das geb ich nicht her! Genauso wenig wie meine Gesinnung!“ (Berliner Zeitung)

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