Aktuell in OmU

CAPERNAUM – STADT DER HOFFNUNG

Capharnaüm. Libanon/USA 2018, 120 Min., arab.Omu, DCP, FSK: k.A.
Regie+Buch: NADINE LABAKI, Kamera: Christopher Aoun, Musik: Khaled Mouzanar
Mit: Zain Al Rafeea, Kawthar Al Haddad, Fadi Kamel Youssef, Yordanos Shifera u.a.

DO 14.2. FR 15.2. SA 16.2. SO 17.2. MO 18.2. DI 19.2. MI 20.2.
20:00 19:00 21:00 15:00 -- -- --

Der junge Libanese Zain sitzt mit gerade einmal zwölf Jahren im Gefängnis. Er hat offenbar jemanden niedergestochen und verbüßt seine Strafe nun in einer Jugendhaftanstalt in Beirut. Eines Tages sieht er seine Eltern vor Gericht wieder. Er selbst hat sie verklagt. Der Grund: Sie haben ihn in diese Welt gesetzt. Nun möchte er verhindern, dass seine Eltern weiterhin Kinder bekommen dürfen. Um den Richter davon zu überzeugen, erzählt er ihm die dramatischen Umstände seiner Existenz. Er erzählt von seiner Großfamilie, die in einer ungepflegten Wohnung im Armenviertel auf wenigen Quadratmetern haust. Er erzählt, wie der Vater eines Tages seine geliebte Schwester Sahar verkauft hat. Er erzählt von seiner Zeit auf der Straße, in der er die illegal in Beirut lebende Rahil und ihren kleinen Sohn Yonas kennengelernt hat. Und er erzählt von den Umständen, die schließlich zu der Messerattacke geführt haben, wegen der er nun im Gefängnis sitzt.

Nadine Labaki beschreibt ihren Stil selbst als „der Wahrheit verpflichtet“. Ihr Drama über die prekären Lebensumstände einer libanesischen Großfamilie mutet in vielen Momenten eher dokumentarisch als fiktional an. Kein Wunder: Sie drehte vorwiegend an Originalschauplätzen mit Laiendarstellern in den Armenvierteln von Beirut. Der Grat zwischen authentischem Drama und kalkuliertem „Armutsporno“ ist sehr, sehr schmal. Nadine Labaki gelingt mit „Capernaum“ das große Kunststück, die Grenze zum Ausbeuterischen und Voyeuristischen nie zu überschreiten. Der Filmemacherin geht es nicht einfach darum, gezielt Mitleid zu erzeugen. Ganz im Gegenteil: Mit ihrer Arbeit will sie in erster Linie ein ganzes System hinterfragen. Und das geht nur, wenn sie alle Ursachen beleuchtet, die zu den Umständen geführt haben, in denen Zain und seine Familie stellvertretend für eine ganze Gesellschaftsschicht im armen Libanon leben müssen.
(nach: Antje von Wessels, Filmstarts)

www.uferpalast.de uses cookies. Close