Mauerfall

GOOD BYE, LENIN!

D 2003, 121 Min., DCP, FSK: ab 6, Regie: WOLFGANG BECKER
Buch: Bernd Lichtenberg, Wolfgang Becker, Kamera: Martin Kukula, Musik: Yann Tiersen, Antonello Marafioti
Mit: Da-niel Brühl, Katrin Sass, Maria Simon, Tschulpan Chamatowa, Florian Lukas u.a.

DO 20.6. FR 21.6. SA 22.6. SO 23.6. MO 24.6. DI 25.6. MI 26.6.
21:00 19:00 21:30 18:30 -- -- --

Eine überzeugte Sozialistin (Katrin Sass in einer ihrer besten Rolle) fällt, just zum 40. Jahrestag der DDR, ins Koma, als sie sieht, wie Stasi-Schergen unbarmherzig auf ihren Sohn und andere Teilnehmer einer friedlichen Demonstration einprügeln. Sie verschläft den Mauerfall, wacht erst acht Monate später, kurz vor der Währungsunion, wieder auf. Und muss in jeder Hinsicht geschont werden. Wie ihr da begreiflich machen, dass ihre ganze Welt sich vor Kurzem in Luft aufgelöst hat? Ihr Sohn Alex (Daniel Brühl) dreht das Rad Geschichte zurück.

Die neuen Möbel, die schicken Klamotten, die Westleckereien, all das, wovon man Jahre lang geträumt hat, muss jetzt wieder entrümpelt werden. Und weil es nicht nur die alten Marken, die Muttern so liebte – Spreewaldgurken, Tempo Bohnen das Mokkafix Gold –, nicht mehr gibt, sondern auch die Konsum-Läden, in denen man sie kaufte, hetzt der junge Sohn auf seiner Schwalbe durch die halbe Stadt auf der Suche nach DDR-Devotionalien, die man auch mal als Devossionalien bespöttelte. Wo alle anderen die neue Freiheit feiern, wird ihre Wohnung zum absurden Heimatmuseum. Um eine bloße Ostalgie-Komödie ging es Wolfgang Becker aber nie. Er geht viel tiefer. Die Nachbarn werden zum Mitmachen animiert und sind, allesamt Wendeopfer, gern dabei.

Unvergessen die Szene, wie die Mutter, misstrauisch geworden, sich mühsam aus der Wohnung schleicht. Und auf der Straße plötzlich überall West-Autos und West-Werbung sieht – und dann auch noch der abmontierte Lenin-Kopf vom Friedrichshain an einem Hubschrauber vor ihr vorbeifliegt. Mehr als sechs Millionen Zuschauer haben „Good Bye, Lenin“ allein in Deutschland gesehen. Und dann passierte etwas, was deutschen Komödien sonst nie passiert: Auch im Ausland konnte man über den Film lachen. Und weinen. Denn letztlich handelt diese Tragikomödie von ganz universellen emotionalen Dingen: von der Liebe. Und warum man für sie manchmal auch lügen muss.  (Peter Zander, Berliner Morgenpost)

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