Stummfilme mit Live-Piano + Vortrag

ALLES NEU!
Neues Bauen | Neues Wohnen | Neuer Mensch
Das Bauhaus und das Neue Frankfurt im Wettstreit

Ein Stummfilm-Programm zum zeitlosen Ideengut der 1920er-Jahre

DO 24.10. FR 25.10. SA 26.10. SO 27.10. MO 28.10. DI 29.10. MI 30.10.
-- -- -- 15:00 -- -- --

Meisterhaus Gropius, historisch um 1926. Bildrechte: Gropius Archiv, Berlin

1919 gründet Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus als Kunstschule. Die Idee, Kunst und Handwerk in einem großen Bildungshaus zusammenzuführen, war zu diesem Zeitpunkt völlig neu. Wenig später wurde das Bauhaus Heimstätte der internationalen Avantgarde der klassischen Moderne.

Das Bauhaus existierte nur 14 Jahre: von 1919 bis 1933. Trotzdem wurde es zur bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst des 20. Jahrhunderts.

Das Bauhaus war gleichwohl nicht der einzige ThinkTank, in dem die gesellschaftlichen und städtebaulichen Herausforderungen der europäischen Stadt der Zwischenkriegszeit diskutiert und innovative, richtungsweisende Lösungsansätze entwickelt wurden. Vom Zweck des Wohnens in Luft, Licht und Sonne ausgehend sammelten sich in den 1920er-Jahren im Umfeld des Frankfurter Stadtbaurats Ernst May eine Reihe ehemaliger Bauhauskünstler und planten im großen Stil neue Wohnsiedlungen und Trabantenstädte: Das Neue Frankfurt.

Das Neue Frankfurt ist als Großprojekt und Gegenpol zum Bauhaus vor allem deshalb so interessant, weil es weniger durch eine rein theoretisch wirksame Bildungsphilosophie einer Kunstschule motiviert wurde, als vielmehr durch die praktisch realen Nöte der vielfach bedürftigen Stadtgesellschaft in der wachsenden Großstadt dieser Zeit. Während das Bauhaus in Dessau zum Neuen Bauen Musterhäuser errichtete, stieg die Frankfurter Stadtverwaltung direkt und operativ in die großflächige Umsetzung ganzer Siedlungen ein. 

Das Medium Film spielte am Bauhaus in Weimar und Dessau eine herausgehobene Rolle der Bauhaus-Programmatik. In den Jahren 1926 bis 1928 realisierte Ernst Jahn (Aufnahmeleitung) zusammen mit Richard Paulick (Regie) nach einer Idee von Walter Gropius die mehrteilige Serie WIE WOHNEN WIR GESUND UND WIRTSCHAFTLICH? Er präsentierte darin die modernen Baumaterialien Stahl, Beton und Glas sowie die neuen Montageweisen Präfabrikation und Plattenbau.

Auch anderswo entstanden zahlreiche Dokumentar-, Lehr- und Werbefilme. Mitte der 1920er Jahre erhält der Fotograf Paul Wolff seitens der Stadt Frankfurt den Auftrag, den Planungs- und Bauprozess für das Großprojekt DAS NEUE FRANKFURT bildlich zu dokumentieren. Neben zahlreichen Fotografien entstehen kurze Dokumentarfilme zu den Siedlungen in Frankfurt-Praunheim, Westhausen und Niederrad unter Verwendung vorgefertigter Bauelemente.

Aus Anlass des 100jährigen Jubiläums der Gründung des Bauhauses in Weimar präsentiert der Uferpalast das Stummfilm-Programm

ALLES NEU!
Neues Bauen | Neues Wohnen | Neuer Mensch
Das Bauhaus und das Neue Frankfurt im Wettstreit.

Filmprogramm:

>Wie wohnen wir gesund und wirtschaftlich?

Deutschland 1926-1928, 38 Min., s/w, stumm – restauriert 4K digital, Regie: Richard Paulick

Mehrteilige Serie von Lehr- und Werbefilmen nach einer Idee von Walter Gropius: Wohnungsnot | Das neue Haus | Neues Wohnen | Das Bauhaus und seine Bauweise

>Das neue Frankfurt – Drei Kurzfilme

Deutschland 1927-1928, 26 Min., s/w, stumm – 35mm, Regie: Paul Wolff

- Die Häuserfabrik der Stadt Frankfurt am Main
- Die Frankfurter Küche
- Die Frankfurter Kleinstwohnung

Live-Begleitung am Piano:  Dr.  Dieter Meyer (Nürnberg).

Die Architektin Isabel Strehle (München, Bayreuth, Köln) führt in das Stummfilmprogramm fachlich ein und begleitet die anschließende Diskussion.

_____________

Isabel Strehle ist Architektin und Regierungsbaumeisterin. Sie leitet das Fachreferat für Stadtentwicklung, Planen und Bauen, Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im Amt der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der strategischen und operativen Steuerung komplexer Planungsprozesse der Stadtentwicklung.

An der Arbeit des Entwerfens, Planens und Bauens fasziniert sie die Auseinandersetzung mit dem Raum und allem Räumlichen, einem Medium, dem sich die Menschen zu keinem Zeitpunkt ihres Lebens entziehen können. Strehle ist Vorstandsmitglied im Architekturforum Biel (CH) und Beirätin im Treffpunkt Architektur für Ober- und Mittelfranken der Bayerischen Architektenkammer (D).

Sie kuratiert und moderiert seit 15 Jahren unterschiedlichste Formate des Architekturdialogs, darunter insbesondere Kinoprogramme, Filmtage und Filmabende im Kontext von Architektur, Stadt und Gesellschaft sowie der menschlichen Wahrnehmung und Verarbeitung von Raum.

Bauhaus Frankfurt, Siedlung Westhausen. Bildrechte: Verleih