Aktuell in OmU

ANGELO

A/LUX 2018, 111 Min., franz./dt. OmU, DCP, FSK: k.A., Regie: MARKUS SCHLEINZER
Buch: Markus Schleinzer, Alexander Brom, Kamera: Gerald Kerkletz
Mit: Makita Samba, Alba Rohrwacher, Larisa Faber, Kenny Nzogang, Lukas Miko u.a.

DO 28.11. FR 29.11. SA 30.11. SO 1.12. MO 2.12. DI 3.12. MI 4.12.
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Eine Gruppe junger Sklaven wird Anfang des 18. Jahrhunderts nach Europa verschleppt. Unter ihnen ist ein zehnjähriger Junge, der von einer Comtesse zum Studienobjekt auserkoren wird. Getauft auf den Namen Angelo erhält er eine umfangreiche sprachlich-musische Ausbildung, wird als exotischer, aber europäisierter Kammerdiener herumgereicht, von Messina bis nach Wien. Erst das Dienstmädchen Magdalena erkennt in ihm mehr als nur ein dekoratives Ausstellungsstück und verliebt sich in ihn.

Markus Schleinzer erzählt die Lebensgeschichte des berühmten „Hofmohren“ Angelo Soliman (1721 – 1796), rätselhafte Figur der Wiener Stadtgeschichte – einst als Kindersklave gekauft, nach seinem Tod präpariertes Ausstellungsobjekt. Es ist die Geschichte eines Mannes, der es zu einer für seine Zeit ungewöhnlichen Karriere vom Objekt zum Subjekt zum Objekt bringt. Vom namenlosen Sklaven zum erzieherischen Model einer Comtesse, zum Mundschenk eines Kriegsherren, zum schmückenden Ornament eines Monarchen, zum durch die Idee der Aufklärung interessanten Mitbürger, zum allegorischen Ausstellungsstück. „Angelo“ ist die Geschichte einer Menschwerdung, die vor allem durch Rollenspiele und Anpassung geprägt ist. In ihr werden Sehnsüchte und Zuschreibungen sichtbar, die aus der Historie stammen, aber bis heute den Umgang Europas mit Menschen aus anderen Weltgegenden bestimmen.

„Glaubt er jetzt vielleicht schon, er ist ich?“ Der Fürst ist über seinen „Hofmohren“ entrüstet – denn dieser hat es gewagt, sich „zu einem Weibchen zu legen“. Sein Tadel bezieht sich freilich nicht auf einen Standesunterschied, sondern auf die Differenz zwischen Menschsein und etwas anderem. Das Verbrechen des Abgekanzelten besteht darin, die gottgegebene Ordnung der Dinge verletzt zu haben. (diepresse, moviepilot, filmfest-muenchen)