Jessica Hausner

LOURDES

A/F/D 2009, 95 Min., DCP, FSK: ab 0, Regie+Buch: JESSICA HAUSNER
Kamera: Martin Gschlacht
Mit: Sylvie Testud, Léa Seydoux, Gilette Barbier, Gerhard Liebmann, Bruno Todeschini, Elina Löwensohn u.a.

DO 16.1. FR 17.1. SA 18.1. SO 19.1. MO 20.1. DI 21.1. MI 22.1.
20:00 19:00 21:00 16:00 -- -- --

Christine ist eigentlich nicht besonders religiös und schon gar nicht der Typ für eine Pilgerreise – sei es nun nach Lourdes oder zu einem anderen Wallfahrtsort. Doch seit einigen Jahren ist die 33-Jährige, die seit ihrer Jugend an Multiple Sklerose leidet, an einen Rollstuhl gefesselt und braucht ständige Betreuung. Wenn sie einmal verreisen will, bleiben ihr nicht mehr viele Möglichkeiten. Also nimmt sie an Fahrten teil, die der Malteser Orden organisiert. Nun ist sie mit nach Lourdes gefahren. Anders als viele ihrer Reisegefährten, die hoffen, an dieser heiligen Stätte wenigstens eine Linderung ihrer Schmerzen zu erfahren, und sich insgeheim sogar nach einem Wunder sehnen, hat Christine keinerlei Erwartungen. Sie lässt das ganze Pilgerprogramm einfach über sich ergehen.

Doch dann passiert ausgerechnet ihr etwas ganz und gar Erstaunliches. Im Verlauf des Aufenthaltes in Lourdes tritt eine spürbare Besserung von Christines Symptomen ein, erhebt sie sich aus dem Rollstuhl und kann plötzlich wieder gehen – ein Wunder? Oder ein Zufall? Doch die wundersame Heilung Christines erntet keinesfalls nur Bewunderung und Freude, sondern auch Selbstzweifel, Neid und Eifersucht. Warum wurden gerade die Gebete dieser einen Frau erhört, während so viele andere Menschen, deren Glauben fester, deren Erkrankungen schmerzhafter und quälender sind als ihre, weiterhin leiden müssen? Ist dieses Wunder gerecht? Und warum hoffen wir überhaupt immer wieder auf Wunder?

Als ein „böses Märchen“ will Jessica Hauser ihren Film „Lourdes“ verstanden wissen. Mit ihrem beeindruckenden Werk voller Ambivalenzen wirft die österreichische Filmemacherin eine Menge Fragen auf. Ist es wirklich ein Wunder, das Christine widerfährt? Oder entpuppt sich das ganze Miraculum gar als Traum, als Wunschvorstellung, das letzten Endes keinen Bestand haben wird? Die Interpretationsmöglichkeiten sind vielfältig und bewahren letztlich das Geheimnis des Glaubens und der Wunder für sich. Allem Realismus des Ortes zum Trotz verbirgt sich in der Erzählung eher eine zutiefst menschliche Parabel über das Wesen des Glaubens und des Hoffens, eine tieftraurige Reflektion über die Wege, die das Leben nehmen kann und wie wir damit zurechtkommen müssen. (nach: filmstarts, kino-zeit)