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MÄNNERFREUNDSCHAFTEN

D 2018, 85 Min., DCP, FSK: k.A.,  Regie+Buch: ROSA VON PRAUNHEIM
Kamera: Patrick Richter, Musik: Andreas M. Wolter
Mit: Matthias Luckey, Valentin Schmehl, Thomas Linz, Tobias Schormann, Max Conrad

DO 7.3. FR 8.3. SA 9.3. SO 10.3. MO 11.3. DI 12.3. MI 13.3.
20:00 19:00 21:00 15:00 -- -- --

Was verband die Dichterfürsten Goethe und Schiller, die in stiller Erhabenheit vor dem Weimarer Nationaltheater auf ihre Anbeter herabschauen, über ihre ­literarische Seelenverwandtschaft hinaus?

Waren Freundschaftskult und Liebesrhetorik der Goethe-Zeit bloße Konventionen, Moden einer empfindsamen Epoche, oder verweisen sie auf tatsächliche intime Beziehungen? Genaues weiß man nicht, und gerade deshalb lassen sich in Rosa von Praunheims „Männerfreundschaften“ darüber allerlei Vermutungen anstellen, zu denen Werke und Korrespondenzen Goethes und seiner Zeitgenossen reichlich Stoff bieten.

Es spricht für Praunheims munteren Mix aus Dokumentation, historischem Exkurs und heiter-frivolem Re-enactment, dass er sich bei aller Spekulation zunächst auf philologisches Terrain begibt. Ausgehend von der Studie „Warm Brothers – Queer Theory and the Age of Goethe“ des US-Germanisten Robert Tobin lässt Praunheim allerlei wissenschaftlichen Sachverstand zu Wort kommen. Was verraten uns beispielsweise die teils lange im Giftschrank verborgenen „Venezianischen Epigramme“ über Goethes sexuelle Präferenzen? Nichts, glaubt der Literaturwissenschaftler Paul Derks. Das 18. Jahrhundert sei eine Zeit gewesen, in der sich Männer reihenweise verbal um den Hals gefallen seien, ohne dass dem explizit erotische Bedeutung beigemessen worden sei. Auch die Kulturhistorikerin Annette Seemann spricht von einem eher allgemein toleranten Klima, das sie französischen Einflüssen auf den Hof Karl-Augusts zuschreibt.

In „Männerfreundschaften“ wechseln sich seriöse journalistische Interviews sowie ernsthaft recherchierte historische und literaturwissenschaftliche Hintergründe ab mit gestellten Szenen, die in typisch lustvoller Rosa von Praunheim-Manier Goethe, Schiller & Co. aus moderner Sicht betrachten. Auf jeden Fall ist der Film eine vergnügliche Reise in die erotische Vergangenheit der deutschen Dichtung, nicht nur für Germanisten aller Geschlechter, und bietet jede Menge interessanten Gesprächsstoff. (nach: verleih)

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